Bericht Orgelexkursion 2025

Orgelexkursion nach Lüneburg

Mit unserem erfahrenen Reiseorganisator Wolfgang Mikisch konnte endlich einmal wieder eine Orgelexkursion stattfinden. Die Tour startete am 14. Juni am gewohnten Treffpunkt. Rund 30 Gäste waren an Bord des Andresen-Busses.

Da der Elbtunnel wegen Wartungsarbeiten gesperrt war, musste ein Umweg über die A21 in Kauf genommen werden. Trotzdem war die Stimmung sehr gut, und voller Erwartung kamen wir pünktlich in Lüneburg an.

St. Johannis

Unser erstes Ziel war die St.-Johannis-Kirche. Die fünfschiffige evangelisch-lutherische Hallenkirche ist mit einer Turmhöhe von über 108 Metern die höchste und zugleich breiteste Kirche Lüneburgs und ein eindrucksvolles Beispiel norddeutscher Backsteingotik. Der Bau wurde 1470 vollendet.

Bemerkenswert sind neben dem Flügelaltar aus dem 15. Jahrhundert mit der Darstellung der Kreuzigungsgruppe und dem gotischen Marienleuchter vor allem die historische Orgel, die für uns natürlich im Mittelpunkt des Interesses stand.

Nach der Begrüßung durch den Organisten der St.-Johannis-Kirche, KMD Dr. Wellner, folgte ein sehr ausführlicher und professioneller Vortrag, der gleichzeitig auch für Nicht-Organisten gut verständlich war.

Die dreimanualige Orgel wurde 1553 von Niehoff und Johansen fertiggestellt und später barock erweitert. Einer der berühmten Kantoren der Kirche war Georg Böhm. Ihm hörte der junge Johann Sebastian Bach aufmerksam zu. Bach spielte diese Orgel auch selbst häufig.

Freizeit in der Altstadt

Bis zum Besuch der St.-Michaelis-Kirche blieb Zeit, die alte Salzsieder- und Hansestadt auf eigene Faust zu erkunden und zu Mittag zu essen.

Das Wetter war ausgesprochen freundlich und warm, sodass wir nicht die einzigen Besucher der Stadt waren, die die fast mediterrane Atmosphäre genossen. Manchmal musste eine kurze Wartezeit in Kauf genommen werden, bis ein Tisch – möglichst unter einem Sonnenschirm – in einem der zahlreichen Außengastronomiebetriebe frei wurde.

St. Michaelis

Anschließend versammelten wir uns in der dreischiffigen gotischen Backstein-Hallenkirche St. Michaelis, einer ehemaligen Benediktiner-Klosterkirche. Sie wurde 1376 innerhalb der Lüneburger Stadtmauern neu errichtet.

Die Hanglage des Geländes erforderte ein besonderes Fundament, um ein Abrutschen zu verhindern. Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurde vor allem das Dach umgebaut, sodass heute nur noch ein gemeinsames Satteldach die drei Kirchenschiffe bedeckt. Von außen ist St. Michaelis an ihrer markanten welschen Turmhaube zu erkennen.

Auch mit dieser Kirche ist der Name Johann Sebastian Bach eng verbunden. Von 1700 bis 1702 war er Schüler der angeschlossenen Klosterschule und Chorknabe des Mettenchores. Deshalb wird St. Michaelis häufig auch als „Bachkirche St. Michaelis“ bezeichnet.

Doch auch hier stand für uns die Orgel im Mittelpunkt. Der Organist Henning Voss empfing uns sehr freundlich und versorgte uns mit zahlreichen Informationen.

Das Instrument wurde 1708 von Matthias Dropa, einem Schüler Arp Schnitgers, fertiggestellt. Mehrfache Veränderungen und Umbauten führten später zum Verlust eines großen Teils der historischen Pfeifen. Die Anpassung an einen moderneren Klang hatte damals Vorrang vor der Erhaltung des ursprünglichen Instruments. Erst 1999 wurde versucht, die Orgel wieder einem früheren Klangzustand anzunähern.

Besonders interessant war außerdem eine kleine Orgel am Rand des Chorraums. Organist Henning Voss hatte sie auf Rollbrettern an ihren Standort gebracht. Sofort fiel auf, dass das Manual so hoch angebracht war, dass man nicht davor sitzen konnte. Tatsächlich wurde das Instrument im Stehen gespielt. Henning Voss demonstrierte uns eindrucksvoll die Besonderheiten dieser Orgel.

Für uns Zuhörer wurden die klanglichen Möglichkeiten, aber auch die Grenzen der Orgeln in St. Johannis und St. Michaelis ausführlich vorgestellt. So konnten wir zwei wunderschöne Orgelkonzerte genießen.

Ausklang und Rückfahrt

Bevor sich alle zum vereinbarten Zeitpunkt wieder am Bus einfanden, blieb noch ausreichend Zeit für eine Tasse Kaffee oder eine große Portion Eis in einem der zahlreichen Cafés der Stadt.

Pünktlich gegen 20 Uhr erreichten wir wieder unsere Heimatstadt Neumünster.

Fazit

Vielleicht bot das Tagesprogramm für manche Teilnehmende etwas zu viel Freizeit. Andere wiederum empfanden gerade dies als besonders angenehm.

Unser Dank gilt jedenfalls dem Organisator Wolfgang Mikisch, der einmal mehr eine hervorragende Auswahl getroffen hat und allen Teilnehmenden die Möglichkeit bot, viel Neues und Interessantes kennenzulernen.

Die Planungen für die nächste Orgelexkursion haben bereits begonnen. Im vergangenen Jahr musste eine geplante Fahrt wegen zu geringer Nachfrage verschoben werden. Nun gab es mehrere Rückmeldungen mit dem Wunsch, künftig wieder eine mehrtägige Reise anzubieten. Diesem Wunsch möchten wir gerne entsprechen.

Lassen Sie sich überraschen – wir werden Sie rechtzeitig informieren.

Dieter Nave

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